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       Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, CH-4853 Murgenthal

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Publikationen

 

 

Hier veröffentlichen wir einige Artikel von Brissanz!

Fragwürdige Studie über Jungärzte und deren erste Praxiserfahrungen mit Antwort von der SGAM (Schweizerische Gesellschaft für Allgemeinmedizin) und persönlicher Bemerkung
Streitpunkt Selbstdispensation: das Medikament vom Arzt ist billiger!

 

 

Billigtarif für Jungärzte

Richtigstellung der SGAM zur Pressekonferenz des KSK

 

An einer Pressekonferenz vom 23. März haben Vetreter des Krankenkassen- Konkordats einen Frontalangriff auf Jung-Ärztinnen und -Ärzte gestartet, der in der Presse bereitwillig wiedergegeben wurde (vgl. zB. PulsTip 2/99). So stand zum Beispiel in der Berner Zeitung vom 24. März 1999:

«Hüte sich vor neu praktizierenden Allgemeinärzten, wer seine angeschlagene Gesundheit nicht gänzlich ruinieren will. In der vom Krankenkassen-Konkordat verbreiteten Kürzest-Zusammenfassung einer Dissertation wird der Eindruck erweckt, bei der Konsultation von Jung-Ärzten drohe Lebensgefahr: 20 bis 30 Prozent können nicht mit Röntgenapparaten umgehen, jeder zweite ist in der Anwendung lebensrettender Massnahmen (vor allem bei Erstickungsgefahr) nicht sattelfest und kennt sich mit Sportverletzungen nicht aus, bei einem Drittel hapert es beim Schienen und Eingipsen, viele haben Schwierigkeiten bei der Behandlung von Zuckerkrankheit und Hauterkrankungen. Die Mängelliste giesst Wasser auf die Mühlen der Kranken Versicherer Sie fordern für sich das Recht, Leistungen der Anfänger unter den Allgemeinpraktikern nicht nach den allgemeinen Vetragstanfen, sondern zum Discount-Satz zu entschädigen.... Die Forderung nach einer Lockerung präsentierte das Krankenkassen-Konkordat als Alternative zu einem «eigentlichen» Berufsverbot. »

 

Richtigstellung der SGAM (Schweiz. Gesellschaft für Allgemeinmedizin):

Die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeinmedizin verwahrt sich in aller Form gegen die in der Presse veröffentlichen Vorwürfe gegen neu in die Praxis übertretende «Allgemeinmediziner».

Durch diese undifferenzierte Formulierung (in einzelnen Zeitungen ist von Ärzten ohne Weiterbildung die Rede, die es seit der Einführung einer minimalen Weiterbildungszeit von zwei Jahren im neuen KVG gar nicht mehr gibt), werden auch die jungen Fachärzte FMH für Allgemeinmedizin verunglimpft und ihre Arbeit in Zweifel gezogen.

Die jungen Fachärzte FMH für Allgemeinmedizin durchlaufen ein immer strenger reglementiertes Weiterbildungscurriculum von mindestens fünf Jahren Dauer, genau gleich wie die anderen Fachärzte, in welchem sie nach den heute akzeptierten Regeln der Kunst auf ihre Tätigkeit vorbereitet werden. Inbegriffen ist auch ein obligatorisch zu absolvierendes Weiterbildungsjahr in Chirurgie.

Die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeinmedizin hat als erste Fachgesellschaft schon vor Jahren das Bestehen eines Weiterbildungskurses in Notfallmedizin in ihr Weiterbildungsprogramm aufgenommen. Ohne zertifizierte Weiterbildung in Notfallmedizin wird kein Facharzttitel FMH für Allgemeinmedizin erteilt. Seit 1994 (lnkraftsetzung der Strahlenschutz-verordnung) müssen alle Ärzte, welche selbständig eine Röntgenanlage betreiben wollen, einer Sachverständigenkurs des BAG absolvieren. Auch das Bestehen dieses Kurses wird zertifiziert.

Mindestens für die Fachärzte FMH für Allgemeinmedizin können also alle im Artikel geäusserten Vorwürfe problemlos entkräftet werden.

Es ist offensichtlich, dass es bei den Argumenten des Krankenkassenkonkordates einseitig nur um die eventuell möglichen Kosteneinsparungen geht. Jedenfalls hat das KSK bisher versäumt, mit ähnlichen Qualitätskriterien zu argumentieren, wenn es um die Umsetzung des Freizügigkeitsgesetzes geht. Mit Inkrafttreten dieser bilateraler Verträge erhalten Ärzte aus dem EU-Raum mit einer wirklich ungenügender Weiterbildungszeit von nur zwei Jahren die uneingeschränkte Berechtigung, in der Schweiz zu Lasten der Sozialversicherungen tätig zu werden. Diese Billigärzte werden in der Tat durch eine Verschlechterung der Qualität und durch aus Unsicherheit angeordnete Mehruntersuchungen einen ungeahnten Kostenschub auslösen.

Ausserdem verstösst es gegen Treu und Glauben, wenn das KSK, unmittelbar vor Unterzeichnung der Verträge des neuen Arzttarifes GRAT welche für die medizinischen Grundleistungen auf einer Weiterbildungszeit von fünf Jahren basieren, die Anwendung dieses Tarifs für die nach fünfjähriger Weiterbildungszeit in die Praxis übertretenden Ärzte bereits wieder in Frage stellt.

Dr med Marc Müller-Friedli, Präsident der SGAM/SSMG

 

ARS Medici, Nr. 6;99, Seite 367

 

Persönliche Anmerkung:
Ich kann mir das Resultat der Studie nur so erklären, dass es sich bei der Erhebung haupsächlich um Abgänger von hochspezialisierten Universitätskliniken gehandelt haben muss, die sich erst relativ spät (nach jahrelanger Assistenz- und/oder Oberarztarbeit mit oft fehlenden Aufstiegschancen) für eine Arbeit in der Grundversorgung entschieden haben.
Alle mir bekannten Kollegen, welche ihre Weiterbildung mit dem primären Ziel einer Grundversorgerausbildung absolviert haben, konnten sich - wenn auch mit oft zusätzlichem Aufwand und Einsatz - ganz gezielt für ihre kommenden Aufgaben vorbereiten. Sie stehen Ihren Patienten mit guter Grund- und Zusatzausbildung sowie den neuesten Kenntnissen kompetent zur Verfügung.

 

 

Medical Tribune Nr. 14/99 vom 9.4.1999

Streitpunkt Selbstdispensation: Beim Hausarzt billiger als in der Apotheke

BUCHS - Die direkte Medikamentenabgabe wird nicht nur von Apothekern beschossen. Es gibt auch einige Ärzte, die ihre selbstdispensierenden Kollegen verurteilen. Vor allen Dingen, so die kritischen Stimmen, ist die Gefahr gross, dass diese Ärzte (mit Blick auf ihren Umsatz) eher höherpreisige Medikamente verordnen. Der pure Neid oder hat der Vorwurf Hand und Fuss? Medical Tribune befragte dazu Dr. Anton Gehler, Präsident der APA (Ärzte mit Patientenapotheke).

? Herr Dr. Gehler, es gibt einige Kollegen, die die Selbstdispensation (SD) mit dem Argument kritisieren, Ärzte wollten sich nur bereichern. Was meinen Sie dazu?
Dr. Gehler: Diesen Vorwurf hören wir mindestens zwei bis drei Mal täglich. Die Kollegen gehören dabei aber eher einer Minderheit an, vielmehr sind es die Apotheker, die die Selbstdispensation in Praxen bekämpfen. Das Konkordat der Krankenkassen (KSK) veröffentlicht jedes Jahr ausführliche, unabhängige Statistiken über die Medikamentenkosten pro Versicherten pro Jahr. Hier wird belegt, dass die Kantone am kostengünstigsten arbeiten, in der die Selbstdispensation zugelassen ist. Und zwar kann man dabei von einer Grössenordnung von 30 % Einsparungen ausgehen. Auf Platz 2 in der Kostenstatistik stehen die Kantone mit Mischformen (SD, Rezeptur). Die teuersten Kantone sind die, in der nur die reine Rezeptur zugelassen ist. Im Kanton Graubünden beispielsweise sind die Medikamentenkosten immer höher geworden, seit die Selbstdispensation dort abgeschafft wurde.

? Kostengünstiger, schön und gut. Aber könnten Ärzte nicht doch eher zu hochpreisigen Medikamenten greifen, um ihren Umsatz zu erhöhen?
Dr. Gehler: Das tut der Arzt aus verschiedenen Gründen nicht. Erstens muss der selbstdispensierende Arzt wirtschaftlich arbeiten. Denn bei Unwirtschaftlichkeit stellen die Versicherungen Rückforderungsbegehren. Zur Kontrolle erstellen die Kassen Statistiken, wieviel Medikamentenkosten durchschnittlich pro Jahr und Patient angefallen sind. Fällt der selbstdispensierende Arzt dabei aus dem Rahmen, muss er mit Rückforderungen der Kostenträger rechnen bzw. begründen, warum er so hohe Kosten verursacht hat. Zweitens kann der selbstdispensierende Arzt seinen Umsatz gar nicht grossartig erhöhen. Zwar - grob durchschnittlich gerechnet - macht der Arzt 20 bis 25% des Umsatzes mit Selbstdispensation. Aber in vielen Kantonen wird dieser Umsatz zur Quersubventionierung der medizinischen Leistungen verwendet. Das heisst, der Arzt erhält durchschnittlich weniger für seine anderen medizinischen Leistungen wie EKG, Thorax etc.

? Gibt es denn nicht Praxen, die bei dem Umsatz richtig zuschlagen können?
Dr. Gehler: Sicher gibt es Fälle, in denen sich mit der Medikamentenabgabe ein hoher Umsatz erzielen lässt. Beispielsweise Praxen, die viele HIV-Patienten zu versorgen haben. Aber das muss natürlich auch entsprechend nachgewiesen werden.

? Warum plagt sich der Arzt dann überhaupt mit der Medikamentenabgabe in der Praxis ab?
Dr. Gehler: Die Selbstdispensation hat sehr viele Vorteile - insbesondere für den Patienten. Schliesslich kennt jeder Kollege die Probleme der Polimedikation aus der täglichen Praxis. Dadurch, dass der Arzt die Medikamente direkt an den Patienten abgibt, kann er die Patienten wesentlich besser führen und die Compliance erhöhen. Der Arzt verschafft sich eine Gesamtübersicht, welche Medikamente der Patient einnimmt und nicht zuletzt, ob dieser auch die entsprechenden Vorschriften einhält. Wenn sich der Kranke die Tabletten in der Apotheke holt (oder auch nicht), hat der Arzt einfach weniger Kontrolle bzw. Einflussmöglichkeiten. Aus diesen Gründen liegen die Forderungen der APA sicherlich auch auf einer Linie mit der FMH, nämlich die Selbstdispensation in Arztpraxen zu fördern und zu unterstützen. Ausserdem sprechen auch die aktuellen Diskussionen über kostenorientierte Rationierungen für die direkte Medikamentenabgabe.

? Können Sie abschätzen, wieviel Kosten sich durch die Selbstdispensation einsparen lassen?
Dr. Gehler: Im ambulanten Bereich ist einiges drin. Hier handelt es sich sicher um Millionenbeträge.

Das Gespräch mit Dr. Anton Gehler führte Anke Thomas.

Was ist die APA ?
Die APA (Ärzte mit Patientenapotheke) wurde vor 24 Jahren gegründet. Mit ihren über 1000 Mitgliedern vertritt die APA die Interessen von rund einem Drittel aller selbstdispensierenden Ärzte in der Schweiz. Für einen Jahresbeitrag von 130 SFr. erhalten die Mitglieder Dienstleistungen wie Einkaufstipps, Vorschläge zur qualitativen und effizienten Lagerhaltung, juristische Beratung und vor allem politische Aktivitäten zur Gewährleistung der Selbstdispensation in der Schweiz. "Trotzdem gibt es noch einige Mängel in unserem Angebot", wie Dr. Anton Gehler, Präsident der APA gegenüber Medical Tribune äussert. "Vor allen Dingen ist bisher die Meinung der Basis zu kurz gekommen." Das will die APA aber in Kürze ändern, in dem sie eine Befragung unter ihren selbstdispensierenden Mitgliedern durchführen will. Aber wichtigste Aktivität der APA ist zur Zeit sicherlich die direkte Medikamentenabgabe politisch zu unterstützen. Denn Apotheker machen allerorten Front gegen die selbstdispensierenden Ärzte. "Diesen Kampf müssen wir gewinnen," wie Dr. Gehler meint, "die Einsparpotentiale durch die Selbstdispensation in Arztpraxen sind enorm."

 

 

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Stand: 10. Oktober 2007