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       Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, CH-4853 Murgenthal

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Grapefruitsaft: führt via Abbau-Hemmung durch Enzym Cytochrom P450 (nicht andere Zitrusfrüchte) zu einem Serumspiegelanstieg von:

- Ca-Antagonisten*
-  Immunsuppressiva: Cyclosporin (Sandimmun)*
- Antihistaminika: Terfenadin (Teldane)*
- Statine (Cholesterintherapie)
- Animalariamittel
- Cisaprid (Prepulsid)*
- Cilostazol
- HIV-Proteaseinhibitor*
- Antibiotika: Clarithromycin (Klazid), Itrakonazol (Sporanox)
- Neuropsychiatrika
- Hormone: Oestrogene, Progesteron, Antikonzeptiva
- Sildenafil (Viagra)
- Methadon

 

* teils schwere, lebensbedrohliche Komplikationen bekannt

Quelle: Kane G et al. Drug-grapefruit juice interactions. Mayo Clin Proc 2000;75:933-42

 

Alzheimer: Vergessen Sie diese Medikamente!

Teure Medikamente sollen die Alzheimerkrankheit verzögern. Doch nun zeigen Studien: Sie wirken nicht viel besser als Zuckerpillen.

aus Pulstipp Nr. 9. Sept. 2004 von Esther Diener-Morscher

Der Mann von Irma Huber starb vor fünf Jahren mit 61 Jahren. Er litt an Alzheimer. Irma Huber hat ihn mehrere Jahre lang bis zu seinem Tod zu Hause betreut. Ihr Mann nahm das Medikament Aricept. «Etwa ein Jahr lang verlangsamte sich der Krankheitsverlauf. Dann haben die Medikamente nichts mehr genützt», erinnert sich Irma Huber.

Vor sieben Jahren haben die Schweizer Behörden im Schnellverfahren drei neue Medikamente zugelassen, welche die Alzheimerkrankheit verzögern sollen: Aricept, Reminyl und Exelon. Sie sind für viele Erkrankte und Angehörige die letzte Hoffnung.

Doch nun zeigt eine Studie im englischen Fachblatt «Lancet»: Aricept ist für Alzheimer-Patienten kaum nützlicher als die wirkstofflosen Plazebo-Pillen, die einem Teil der Studienteilnehmer verabreicht worden sind. Der Wirkstoff kann weder den Zerfall der Gehirnfunktionen nennenswert aufhalten noch eine Einweisung ins Heim hinauszögern. Die Studie wurde vom staatlichen britischen Gesundheitswesen finanziert, unabhängig von der Pharmaindustrie.

Eine weitere, noch unveröffentlichte Studie der Universitätsklinik Hamburg kommt laut dem deutschen Magazin «Spiegel» zu einem ähnlichen Schluss: Die so genannten Acetylcholinesterasehemmer - zu denen Aricept, Reminyl und Exelon gehören - bringen keinen Nutzen, haben aber viele Nebenwirkungen.


Pharmafirmen akzeptieren die Studienresultate nicht

Die Hersteller bestreiten die neuen Befunde: Die Resultate seien «mit Vorbehalt» zu betrachten, weil statt der geplanten 3000 Teilnehmer nur deren 565 teilgenommen hätten, sagt die Firma Pfizer. Sie stellt Aricept her, das weitaus am meisten verschriebene Mittel. Jörg M. Läuffer von Janssen-Cilag verweist auf eine andere Studie, die zeigt, dass Reminyl «die Gedächtnisleistung der Alzheimer-Patienten verbessere». Auch Novartis-Sprecher Bruno Hofer sagt: «Vier Studien belegen die Wirksamkeit von Exelon.»


Bei Alzheimer fehlt es an sinnvollen Alternativen

Doch auch für Albert Wettstein, Chefarzt des Stadtärztlichen Dienstes in Zürich und Co-Leiter des Zentrums für Gerontologie, ist mittlerweile klar: «Die Wirkung der Medikamente ist so minim, dass sie den Alzheimer-Kranken im Alltag nur wenig nützen.» Und: «Die Patienten können auch nicht, wie ursprünglich erhofft, bedeutend länger zu Hause bleiben, wenn sie die Medikamente nehmen.»

Laut Albert Wettstein dienen die Medikamente denn auch vor allem dazu, bei den Patienten und den Angehörigen das Gefühl der völligen Hilflosigkeit zu lindern. Er ist überzeugt: «Viel mehr als von den Medikamenten könnten Alzheimer-Patienten von Menschen profitieren, die sich um sie kümmern, sie besuchen, mit ihnen spazieren gehen, spielen oder Musik hören.» Ausserdem bieten spezialisierte Kliniken Gedächtnis- und Alltagstrainings an, die es den Kranken ermöglichen, länger selbständig zu sein.

Pharmakritiker Etzel Gysling war bereits skeptisch, als die Medikamente auf den Markt kamen: «Viele Patienten klagen über Nebenwirkungen wie Übelkeit», stellte er damals fest. Heute sind seine Vorbehalte weiter gestiegen: «Die Chance, dass jemand von den Alzheimer-Medikamenten profitiert, ist sehr klein.»
Trotz der vernichtenden Kritik und trotz des hohen Preises von bis zu sechs Franken pro Tablette wollen die meisten Ärzte aber nicht darauf verzichten, die Alzheimer-Medikamente zu verschreiben. Hannes B. Stähelin, ehemaliger Chefarzt der Geriatrischen Universitätsklinik Basel: «Die Mittel sind nicht ideal, aber wir haben bei Alzheimer keine sinnvolle Alternative zu bieten.»

Wer an Alzheimer erkrankt, verliert unaufhaltsam immer mehr Gehirnzellen. Gleichzeitig bauen Alzheimer-Kranke auch jene körpereigenen Botenstoffe ab, die wichtig sind für den Informationsaustausch unter den Gehirnzellen. Betroffene leiden im Durchschnitt acht Jahre an der Krankheit, bis sie sterben. Ab 80 Jahren steigt die Krankheitsrate sprunghaft an. Bereits jede siebte Person leidet dann an Alzheimer, bei den über 90-Jährigen sogar jede dritte.

Am Anfang brauchen die Erkrankten nur bei komplizierteren Dingen Hilfe: Beim Organisieren einer Reise oder beim Erledigen von Einzahlungen. Später bekommen sie Mühe, sich in ihrer Umgebung zu orientieren. Im fortgeschrittenen Stadium benötigen sie rund um die Uhr Betreuung.
Kein Wunder, klammern sich Angehörige an jeden Strohhalm. Birgitta Martensson, Zentralsekretärin der Schweizerischen Alzheimer Vereinigung, sagt: «Wir empfehlen die Medikamente zwar nicht. Aber wir wehren uns für das Recht der Alzheimer-Patienten, diese Medikamente zu bekommen. Denn es kann ihnen wenigstens eine ganz kleine Hoffnung geben.»

Die Pharmaunternehmen machen ein gutes Geschäft mit den verzweifelten Angehörigen: Laut dem Hergiswiler Arzneimittel-Marktforschungsinstitut IHA-IMS haben die Firmen letztes Jahr Alzheimer-Medikamente für über 16 Millionen Franken verkauft. Tendenz stark zunehmend. Eine Jahresration kostet über 2000 Franken.


Kritik am neusten Alzheimer-Medikament

Zahlen müssen das die Krankenkassen. Denn die Tabletten stehen auf der Liste der kassenpflichtigen Medikamente. Der Krankenkassenverband Santésuisse prüft zwar, ob er der Eidgenössischen Arzneimittelkommission den Antrag stellen will, die Medikamente von der Liste zu nehmen. Doch ihr Sprecher Peter Marbet ist pessimistisch: «Ein Medikament, das einmal auf der Liste steht, streichen die Behörden nur selten wieder.»

Im Gegenteil, die Entwicklung geht unbeirrt weiter. Neu gibt es jetzt sogar ein viertes Medikament gegen Alzheimer: Axura. Doch auch hier urteilt Etzel Gysling: «Ich denke nicht, dass uns damit eine wirklich überlegene Substanz zur Verfügung steht.»

Copyright © Puls-Tipp 9/04 vom 15. September 2004 - Seite 20    
       

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Stand: 04. November 2007