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Krebsabstrich
HWI Pillenversagen Krebsabstrich

 

 

Krebsabstrich beim Frauenarzt: Massentests bringen wenig

Der jährliche Krebsabstrich soll den Gebärmutterhalskrebs praktisch ausrotten. Zwar sinkt die Anzahl der erkrankten Frauen. Doch der Nutzen des Vorsorgeprogramms ist nicht bewiesen.

Sonja Marti - smarti@pulstipp.ch

Für mich ist völlig klar, dass ich jedes Jahr den Krebsabstrich machen lasse», erklärt die 35-jährige Isabel Gugolz überzeugt. Allerdings habe der Arzt sie nicht im Detail über den Nutzen und die Folgen aufgeklärt. Auch die 77-jährige Lydia Stirnimann hat nie Genaues erfahren: «Der Arzt macht den Abstrich ja routinemässig.» Beide Frauen haben bei einer Umfrage des Puls-Tipp mitgemacht (siehe Seite 12). Das Fazit: Viele sind schlecht informiert - lassen sich aber trotzdem jedes Jahr selbstverständlich testen.

Beim gynäkologischen Check nimmt der Arzt mit einem kleinen Bürstchen eine Probe von Zellen des Gebärmutterhalses und lässt sie im Labor untersuchen. Sind die Zellen verändert, kann dies auf eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs hindeuten. Dies ist allerdings selten der Fall. Meistens handelt es sich um eine harmlose Entzündung oder Reizung. Das Labor unterscheidet fünf Stufen: Pap I heisst normaler Abstrich, Pap V bedeutet Krebs. Pap III heisst also noch lange nicht Krebs.

Seit den 60er-Jahren gehört der Pap-Abstrich - benannt nach dem Begründer der Zytodiagnostik, dem Griechen George N. Papanicolaou - in vielen Industrieländern zur gynäkologischen Routine. Und das Vorsorgeprogramm scheint Erfolg zu haben: Seither erkranken weniger Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Waren es vor 30 Jahren in der Schweiz rund 13 von 100000 Frauen, sind es heute noch die Hälfte. Zudem kann man die Vorstufen des Krebses mit einer Operation oft gut heilen. Der Pap-Abstrich gilt deshalb als Vorzeigebeispiel der Krebs-Früherkennung. Der Zürcher Frauenarzt Michael Singer ist überzeugt: «Durch diese Vorsorge kann der früher gefürchtete Gebärmutterhalskrebs praktisch verhindert werden.»


Falscher Alarm für jede zwanzigste Frau

Allerdings gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die sinkende Zahl der Erkrankten wirklich dem Test zu verdanken ist. Denn der Krebs wird durch bestimmte Papilloma-Viren verursacht, die sexuell übertragbar sind. Deshalb beeinflussen auch veränderte sexuelle Gewohnheiten die Krebsrate. Ein weiterer Grund: die steigende Zahl von Frauen, denen Ärzte die Gebärmutter herausoperiert haben. Wer keine mehr hat, kann auch nicht an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Zudem war Gebärmutterhalskrebs schon früher eine seltene Krankheit.

Der Pap-Abstrich ist auch fehleranfällig. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Labors nur die Hälfte der Krebsvorstufen entdecken. Umgekehrt löst er bei bis zu fünf Prozent der Frauen falschen Alarm aus. Das macht nicht nur Angst, sondern verursacht auch unnötige Zusatzuntersuche. Die Lebensqualität der betroffenen Frauen sinkt. Für Johannes G. Schmidt, führender Epidemiologe und Arzt vom Praxiszentrum Meinradsberg in Einsiedeln SZ, ist deshalb klar: «Der Pap-Massentest ist nicht notwendig. Die Zahl der verhinderten Todesfälle ist äusserst gering bis null. Sehr viele Frauen erhalten falschen Alarm und werden unnötig therapiert.» Dies bestätigt nun auch eine grosse Studie im renommierten Fachblatt «British Medical Journal». Sie kommt zum gleichen Schluss: Wenn 1000 Frauen während 35 Jahren den Test regelmässig machen lassen, lässt sich höchstens ein Todesfall verhindern.

Die Schwächen des Abstrichs wollen die Hersteller neuer Testmethoden ausnützen. Doch ihre Produkte sind lediglich teurer - aber keineswegs besser. Der US-Konzern Digene bietet seit einigen Jahren einen Virentest für die Früherkennung an. Er soll die Papilloma-Viren nachweisen, die für den Krebs verantwortlich sind. Heute empfiehlt Digene einen Doppeltest: Abstrich plus Virennachweis. Das soll Sicherheit bringen. Im Internet spricht die Firma sogar von 100 Prozent. Doch der Test hat sich in Studien nicht bewährt.
Auch die so genannte Dünnschicht-Methode ist umstritten. Viele Schweizer Gynäkologen wenden sie bereits heute an. Sie soll das Resultat des Abstrichs verbessern. Doch ihre Fehlerquote ist etwa gleich gross wie beim einfachen Abstrich.


In den USA wird der Test alle drei Jahre durchgeführt

Trotz dieses geringen Nutzens drängen viele Frauenärzte ihren Patientinnen jedes Jahr den Krebsabstrich auf. Die Krankenkasse bezahlt den Test hingegen nur alle drei Jahre. Mit Grund: Eine internationale Studie mit fast zwei Millionen Frauen zwischen 35 und 64 Jahren hat gezeigt, dass alljährliche Untersuche gegenüber zwei- bis dreijährigen Intervallen kaum Vorteile bringen. Deshalb testen auch in den USA Ärzte ihre Patientinnen nur alle drei Jahre, ebenso in Kanada und Grossbritannien.

Der Epidemiologe Schmidt bestätigt: «Wenn eine Frau wegen der geschürten Ängste die Vorsorge wählt, ist ein Abstand von drei Jahren ebenso zuverlässig. Eine Abklärung ist jedoch erst sinnvoll, wenn abnormale Blutungen auftreten.»


Krebsvorsorge: Das können Sie tun

Das müssen Sie über den Pap-Abstrich wissen:
- Massentests an Frauen bringen kaum medizinischen Nutzen.
- Wer den Pap-Abstrich machen will: Alle drei Jahre genügt.
- Während des Eisprungs ist der Test am aussagekräftigsten.
- Der Test ist fehleranfällig: Lassen Sie den Abstrich bei unklarem Befund von zwei Labors begutachten.


Das können Sie gegen Zellveränderungen tun:
- Benutzen Sie Kondome. Bestimmte Stoffe im Sperma können die Zellen zusätzlich reizen.
- In Weizenkeimöl getränkte Minitampons, über Nacht getragen, können Reizungen mildern.
- Hören Sie auf zu rauchen. Die Zellen der Gebärmutter speichern das Nikotin, was eine Reizung begünstigt.



«Viele Frauen erhalten falschen Alarm und werden unnötig therapiert»
Johannes G. Schmidt, Epidemiologe


Copyright © Puls-Tipp 9/03 vom 10. September 2003 - Seite 11

 

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Stand: 09. November 2012